Abschied
Es ist soweit - morgen geht unser Flieger zurueck in die Heimat. Und obwohl mir das phantastische Essen, die Sonne und die grossartigen Abenteuer fehlen werden, freue ich mich wahnsinnig auf Euch alle!
Bangkok Countdown 2007
Nach dreizehnstuendiger Busfahrt sind wir gestern abend in Bangkok aufgeschlagen, um hier stilecht das neue Jahr zu begruessen. Das grossartige ist: wir werden uns gleich zweimal in die Arme fallen und uns bis zur Besinnungslosigkeit betrinken koennen, einmal in knapp fuenf Stunden gemaess lokaler Zeit und dann nochmals nach deutscher Zeit sechs Stunden spaeter.
Wir wuenschen Euch allen einen guten Rutsch und ein grossartiges neues Jahr 2007!
Wechselhaft
So koennte man mit gutem Recht unsern Abstecher an die West-Kueste Thailands bezeichnen. Nicht nur wegen des Wetters, sondern auch angesichts der gegensaetzlichen Eindruecke.
Atemberaubend war die Landschaft bei Krabi mit den gewaltigen Karstfelsen, die aus dem tuerkisfarbenen Wasser ragen, ueberwuchert von Regenwald. Von unserer Herberge ging es mit dem Longtail-Boat nach Railey, eine paradiesische Halbinsel, die von gewaltigen Felsformationen eingerahmt wird. Ueber die Insel waren einzelne Guesthouses, Bungalowanlagen, Cafes und Bars verteilt, wo wir - mit einer Pina Colada bewaffnet - den Sonnenuntergang genossen.
Abscheulich war die Insel Phuket, der Ballermann Thailands. Die Kueste Phukets war zwar ebenfalls vom Tsunami betroffen - trotzdem hat sich die Tourismus-Industrie in diesem Teil Thailands recht schnell erholt, denn von den angeblich vorhandenen ”ruhigen Ecken” war nichts zu spueren. Ueberfuellte Straende, Sextourismus, halbnackte, taettowierte, betrunkene Englaender und bierbaeuchige Deutsche - so in etwa lassen sich unsere Eindruecke zusammenfassen.
Pack die Badehose ein
Zunaechst eine Warnung: Alle, die gerade eine psychisch instabile Phase haben, insbesondere solche, die den jaehrlichen Weihnachtsfrust noch nicht verkraftet haben, empfehle ich innig, an diesem Punkt nicht weiterzulesen.
Frank und ich hatten spontan beschlossen, unseren Aufenthalt auf Samui noch drei Tage zu verlaengern, um uns richtig auszukurieren. Unser Tag laeuft etwa so ab:
So um zehn Uhr waelzen wir uns aus dem Bett, springen auf die Terrasse unseres New Deluxe Bungalows und begruessen die Sonne. Dann geht es treppab in das resorteigene Restaurant direkt am Meer, wo wir uns am umfangreichen Buffet staerken. Nun steht uns die schwierige Entscheidung bevor: lieber an den Pool oder doch direkt ans Meer. Heute entscheide ich mich fuer das Meer. Feiner, heller Sand, Palmen, das Rauschen des Meeres, blau glitzerndes Wasser, dawischen einzelne Felsen. Und wenig Menschen. Tief versunken in mein Buch, schrecke ich auf. Jemand spricht mich an. Was will er?! Ah, er will wissen, ob ich einen Coconut- oder doch lieber einen Bananenshake moechte. Ich entscheide mich fuer Ananas. Zwei Minuten spaeter schwebt der Shake auf einem Tablett an meine Liege. Grossartig. Ich daemmere weitere zwei Stunden vor mich hin, bevor ich beschliesse, Baden zu gehen.
Mittagszeit, der Magen knurrt (ok, ok, nach dem Schlachtfest am Fruehstuecksbuffet nicht wirklich, aber Pasta geht immer). Zehn Meter weiter ist ein italienisches Ristorante am Strand, superleckeres Essen (mehr davon spaeter…). Der volle Magen schreit nach einem Mittagsschlaf am Meer, danach in den Whirlpool des Resorts. Achja, und den Coconut-Shake hole ich noch nach. Spaeter nachmittag, die Sonne laesst nach - ideal fuer einen ausgiebiegen Strandspaziergang, vorbei an den vielen kleinen Cafes, Restaurants und Bars entlang des Strands. Den Rueckweg ueber quaelt mich die folgende Frage: Thai-Massage am Strand, ja oder nein? Nein, lieber nochmals ins Meer springen, ab unter die Dusche, Emails checken und dann den kulinarischen Hoehepunkt des Abends einleiten. Es ist dunkel, das Meer rauscht, die Palmen vor dem italienischen Lokal werden angeleuchtet. Der Abend wir mit Bruschette eingelaeutet, dann folgen Spaghetti alle vongole fuer mich (das sind kleine Venusmuscheln), Melanzane (Aubergine) mit Parmesankaese ueberbacken fuer Frank. Als secondo kommt fritto misto, frittiertes Meeresallerlei mit Zitronensaftspritzern, himmlich. Als Nachspeise bestellen wir uns hausgemachtes italienisches Eis, der Wirt spendiert uns zwei Espresso, die leeren Espressotassen werden mit Grappa aufgegossen. Angesichts unserer begeisterten Gesichter beschliesst der italienische Gastwirt, uns noch seine eigens kreierte Nachspeise zu kredenzen, ein in Alkohol eingelegter Kuchen mit Sahne und Fruechten. Wir rollen uns nach Hause und fallen in unser Bett. Buona notte!
Froehliche Weihnachten
wuenschen Nicole und Frank. Wir haben mittlerweile den anspruchsvollen Teil unserer Tour hinter uns gelassen und sind seit drei Tagen auf Ko Samui. Vom Strand hatten wir bisher noch nicht so viel, da wir abwechselnd krank waren (erkaeltet; nach Pai war ich angeschlagen, eine abendliche Abfahrt von Doi Suthep in einem offenen Taxi hat mir dann den Rest gegeben. Nicole ist dann etwas spaeter meinem Beispiel gefolgt…), aber wir sind ja noch etwas laenger im Sueden. Morgen machen wir uns auf den Weg nach Ko Lanta.
Easy Rider
Morgens um acht, der Wecker klingelt, ueber dem Fluss stehen die Nebelbaenke. Nach einer Nacht nahe dem Gefrierpunkt (jedenfalls suggerierten das meine Fuesse), taute ich mich heute morgen unter der warmen Dusche auf. Wieder unter den Lebenden liehen wir uns einen Motorroller aus und erkundeten die Gegend um Pai. Landschaftlich gesehen das beeindruckendste, was ich bisher in Thailand gesehen habe. Die dicht bewachsenen Berge, dazwischen Talebenen mit Reisfeldern, Flusslaeufen… Wir brausten die Huegel hoch und runter, durch urige kleine Doerfer mit Einheimischen, sogar einen Wasserbueffel haben wir auf dem Weg gesehen.
Das erste Ziel auf unserer Route war ein kleiner Naturpark mit heissen Quellen, in denen ich meine Fuesse endgueltig zum Leben erwecken konnte. Dann ging es zu einem Canyon, nicht gerade der Grand Canyon, aber trotzdem wunderschoen mit steil abfallenden Felswaenden und schmalen Pfaden entlang der Grate. Nachmittags steuerten wir schliesslich einen Wasserfall, den Mo Paeng Waterfall, an. Ein Eldorado fuer Kraxler, denn man konnte flussaufwaerts ueber Felsbrocken von Wasserfallebene zu Ebene klettern.
Morgen brechen wir leider wieder auf, zurueck nach Chiang Mai - denn Freitag geht unser Flug in den Sueden.
Pai
Mir ist kalt, mein Atem bildet kleine Woelkchen waehrend ich diese Zeilen tippe. Wir befinden uns seit gestern in Pai, einem groesseren Dorf in den Bergen der Provinz Mae Hong Song. Groessere Staedte sind in jede Richtung mindestens 130 Kilometer entfernt. Per Minibus brauchten wir von Chiang-Mai ueber drei Stunden bis wir die extrem Steile und kurvige Strecke endlich hinter uns hatten und im Tal von Pai ankammen.
Pai ist eine Art Aussteigerparadies. Es gibt einen relativ grossen europaeisch/amerikanischen und japanischen Bevoelkerungsanteil. Lauter Leute die hier irgendwann mal haengengeblieben sind. Verdenken kann man es ihnen nicht, das Tal ist wunderschoen. Ringsum ragen bewaldete Berge auf. Es gibt heisse Quellen, mehrere Wasserfaelle und einen groesseren Fluss. Obwohl hier nur ca. 5000 Menschen leben ist eine Menge los. Es gibt an jedem Abend eine oder mehrere Kneipen in denen lokale Kuenstler und Bands auftreten. Ein wirklich netter Fleck.
Chiang Mai Adventure Tour
So hiess die Trekking-Tour, die uns gestern in die Berge noerdlich von Chiang Mai fuehrte. Es war ein irres Erlebnis. Wir hatten zwei Guides, Tam und Nan, und wir beide. Mit dem Auto ging es zunaechst raus aus der Stadt in eine Orchideenfarm. Es gab einen straffen Zeitplan, der von unserem Sklaventreiber Tam nachdruecklich kommuniziert wurde (O-Ton Tam: “You still got thirty seconds”). Angesichts dieser minutioes geplanten Ablaeufe kamen geradezu heimatliche Gefuehle auf. Die 15 Minuten und 43 Sekunden Orchideenfarm waren sehr schoen, tolle Blumen.
Im Anschluss brausten wir weiter Richtung Norden, zu der Maesa Elephantenfarm. Total irre, ein wunderschoenes riesiges Gelaende im Wald, wo die in Thailand vom Aussterben bedrohten Dickhaeuter Zuflucht finden. Jeder Elephant hat einen Mahout, einen Elephantenfuehrer. Ganz ohne touristische Einlagen ging es auch hier nicht: Man konnte die Elephanten fuettern und es gab eine wirklich beeindruckende Show, u.a. mit malenden Elephanten - ohne Mist, die Viecher standen vor einer Leinwand und haben mit ihrem Ruessel grossartige Gemaelde gepinselt, von Pointilismus ueber Expressionismus bis hin zu kalligraphischen Meisterwerken! Auch beeindruckend war die naechste Nummer, die mich zu folgender 05-Rettungsaktion inspirierte: Pa, the elephant, for goal keeper! Kickende Dickhaeuter! Irre! Fuer alle, die noch ein Weihnachtsgeschenk fuer mich suchen: einen Elephanten bitte!
Der folgende Teil war leider wenig erquicklich, eine voll-synthetische Hill tribe-Simulation mit Animatronik - soll heissen, uns wurden die seltenen Bergstaemme Nordthailands in rekonstruierten Doerfern mit eigens importierten Stammesmitgliedern praesentiert, u.a. die beruehmten Longneck-Frauen, die goldene Metallreifen um den Hals tragen, deren Gewicht durch jahrelanges Tragen die Schultern so nach unten druecken, dass die Haelse unnatuerlich langgestreckt erscheinen. Nun gut, wir quaelten uns durch die Lahu und Co-Szenerie und waren froh als die Reise endlich in das Hinterland fortgesetzt wurde.
Jetzt kam der Action-Teil: Zunaechst auf einem Elephantenrueceken durch den tiefen Wald, bergauf, bergab. Etwa drei Meter hohe Plattformen dienten dazu, den ungelenken Europaeer unbeschadet auf den Ruecken des Giganten zu befoerdern. Wie beim Skifahren gab es unterschiedliche Pisten, unsere Strecke war nur leicht huegelig, reichte jedoch aus, um in mir das Beduerfnis zu wecken, mich leicht panisch an beliebigen Gegenstaenden festzukrallen. Wir konnten aber auch ein recht blass um die Nase wirkendes schwedisches Paerchen auf einem Elephanten beobachten, der einen extrem steilen Hang herunterkraxelte - ich nehme an die schwarze Piste.
Das ganze wurde noch von Wildwasser-Rafting gekroehnt. Der Startpunkt war an einer sehr felsigen Stelle mit wilden Strudeln. Vor uns startete eine Gruppe von fuenf Personen in einem Boot. Sie hatten wohl die Crocodile-Dundee Adventure Tour gebucht, inklusive kenterndem Boot und dramatischem Rettungsmanoever an einer Stromschnelle mit ausgeworfenem Rettungsseil zum Entlanghangeln. Es fielen auch Saetze wie: “Ich kann nicht” “Doch Du kannst” “Nein, ich habe Angst” “Doch, Du schaffst das”… Jedenfalls war es das, was Tam uns erklaerte, nachdem ich ihn schuechtern darauf hinwies, dass meine Auslandskrankenversicherung nicht die Kosten fuer Ruecktransporte von Verstorbenen uebernehme. Wir starteten dann doch mit einer groesseren Reisegruppe zusammen, insgesamt drei Boote. Es hat irre viel Spass gemacht, wir kamen klatschnass an, allerdings nicht, weil der Fluss so wild war, sondern weil die Boote sich gegenseitig wilde Wasserschlachten lieferten.
Insgesamt ein grossartiger Tag!
Chiang-Mai
Wir sind seit gestern in Chiang-Mai, einer Grossstadt etwa 300 Kilometer noerdlich von Suthokai. Chiang-Mai liegt deutlich hoeher als die bisher von uns bereisten Gegenden, was sich vorallendingen in der Temperatur wieder spiegelt (ich trage gerade eine Jacke). In der direkten Umgebung liegen einige der hoechsten Berge Thailands (der Ueberlandbus quaelte sich gegen Ende der Strecke mit gefuehlten 30 kmh ueber die Paesse).
Chiang-Mai ist gross, unuebersichtlich, laut und stinkt nach Abgasen. Chiang-Mai ist aber auch spannend. Es gibt riesige Nachtmaerkte, ca. 300 Tempel, eine unendlich Menge an Restaurants, Essensstaenden und Bars. Zu Fuss ist man hier verloren, aber mit dem TukTuk (eine Art dreiraedriges Zweitakt-Taxi) kommt man schnell und unkompliziert von einem Ort zum Anderen (es macht wirklich Spass mit so einem Ding durch die Gassen zu rasen).
Chiang-Mai gilt auch als “das” Zentrum fuer Massage-Technik in Thailand. Wir haben uns heute ein Herz gefasst und es ausprobiert. Ein grossartiges Erlebnis, unbedingt wiederholenswert.
Hoch soll er leben
Der heutige Tag war ein besonderer - Franks Geburtstag. Nachdem wir gestern in Sukhothai aufgeschlagen sind, ging es heute erst einmal in die historische Altstadt, 15km von Neu-Sukhothai entfernt, wo unsere Bleibe ist. Der Historical Part erinnert an Ayuttaya, allerdings noch bombastischer. Die Tempel-Ruinen liegen relativ dicht in einem idyllischen Park beieinander, grosse Gruenflaechen, von kleinen Baechen und Seen durchzogen, uralte Baeume, Bouganvillas, Palmen, Seerosen und dawischen die alten Tempel mit wunderschonen Buddha-Statuen. Auch diesmal haben wir das Areal mit dem Fahrrad erkundet, zu Fuss sind die Strecken nicht zu schaffen. Besonders beeindruckt haben mich zwei Tempel, der eine mit einem 15m hohen Buddha, der andere ausserhalb der Stadt, in einem Wald, ueber einen uralten Steinpfad zu erreichen, auf einem Huegel mit wunderschoener Aussicht ueber das flache Land. Sehr besinnlich.
Apropos besinnlich: Weihnachten entkommen wir hier nicht, allerdings in einer besonders furchterregenden und grausamen Variante: man steuert ahnungslos, naiv und voellig unvorbereitet um die Ecke und steht auf einmal vor einem geschmueckten Weihnachtsbaum, der unter seiner Last bedrohlich wankt und den dringenden Wunsch nach einem Sichtschutz weckt angesichts der etwa hundert 250 Watt-Gluehbirnen - das ganze kombiniert mit krakeelenden, animierten Spielzeug-Weinachtsmaennern, die sich irgendwelche Leitern entlanghangeln. Besonders surreal die Szene im Zug, als das Handy unseres thailaendischen Sitznachbarn losgeht und entfesselt “Jingle Bells” dudelt. Ein bisschen weihnachtliche Stimmung kommt also auch hier trotz 30 Grad und Palmen auf. In diesem Sinne weihnachtliche Gruesse in die Heimat.