Interrupt-Driven


Schwarzfahrer

Posted in Uncategorized by frank on the March 17th, 2005

Eine Komödie mit mehreren Schwarzfahrern und einer Schaffnerin.

Ort der Handlung: Das Fahrradabteil des Regionalexpress Tübingen/Stuttgart,ganz hinten.

Im Bahnhof Plochingen betritt eine ältere abgerisse Gestalt, aus den weiter vorne liegenden Abteilen kommend, den Raum. Sie schaut sich ein paar mal um, mäandert ein wenig ziellos umher, beginnt sich eine Kippe zu drehen
um mich anschließend in extrem gebrochenem deutsch zu fragen wo wir hier sind. Die Antwort lautet Plochingen und der nächste Bahnhof sei Esslingen. Das löst bei der Person, die ich im folgenden Schwarzfahrer1 nennen möchte, weitere Handlungen aus, die insgesamt auf einen Entscheidungskonflikt schließen lassen. Blicke im Gang zurück, Schritte zur Tür und wieder zurück. Noch steht der Zug.

Aber Schwarzfahrer1 steigt nicht aus, sondern begibt sich zur Toilette. Da die Fahrradabteile gleichzeitig auch für Rollstuhlfahrer gedacht sind, ist die Toilette mit einer großen hydraulischen Tür ausgestattet, die per Knopfdruck geöffnet werden kann. Schwarzfahrer1 benutzt aber nicht den Knopf, sondern beginnt einen Kampf Mann gegen Tür. Er greift am Rand in die Dichtung und zehrt die Tür soweit auf, dass er sich hindurch drücken kann. Die Tür leistet dabei heftigen wiederstand und versucht permanent sich wieder vollständig zu schließen.

Ich hatte Schwarzfahrer1 bis dahin nicht sicher als solchen identifiziert und angesichts seines Kampfes mit der Tür nur überlegt, ob er wohl die ultimative Herausforderung im Design von UserIterfaces darstellt. Diese Türen bereiten
manchen Leuten zwar Probleme, weil viele nicht auf anhieb kapieren, dass man, um sie von innen zu schließen, auf einen weiteren Knopf drücken muss. Soweit ich beobachten konnte, hat sie aber bisher noch jeder aufbekommen.

Das UserInterface ist einfach. Zwei Knöpfe einer grün, der andere rot. Ist die Toilette frei, leuchtet der grüne Knopf, der Rote ist aus. Drückt man den grünen Knopf geht die Tür auf. Schließt man die Tür von innen leuchtet außer der rote Knopf und der Grüne ist aus.

Schafft man es allerdings sich durch die Tür zu zwängen ohne den Knopf zu drücken bleibt das grüne Licht an. Tada! Die Toilette sieht für einen Schaffner unbesetzt aus, Kreativer Umgang mit Technik.

Soweit zum ersten Teil der Handlungen. Die Story erreicht ihren Höhepunkt, als kurz vor Esslingen die Tür zur Toilette aufgeht und im selben Moment von der gegenüberliegenden Seite die Schaffnerin das Abteil betritt.
So kurz vor dem Ziel, der Gedanke stand Schwarzfahrer1 ins Gesicht geschrieben. Die Schaffnerin war allerdings nicht allein. In ihrer Begleitung hatte sie einen Jungen Mann, den sie vor die Tür setzen wollte. Nennen wir ihn Scharzfahrer2.

Schwarzfahrer2 beteuert, dass er eine keine Karte mehr kaufen konnte, da er sonst den Zug verpasst hätte
und sie ihm doch bitte eine Karte verkaufen soll. Die Schaffnerin hält dagegen, dass sie im Nahverkehr keine Karten verkaufen kann und er jetzt entweder ein Ticket nach außerhalb des Nahverkehrs kauft (5,60€), aussteigt oder 40€
zahlt. Wir befinden uns noch bei der Einfahrt nach Esslingen. Schwarzfahrer1 ist bemüht mich zwischen sich und der Schaffnerin zu halten und dabei nicht verdächtig auszusehen. Dies gleitet spätestens ab dem Zeitpunkt ins
komische ab, zu dem ich mich ans andere Ende des Abteils begebe um mein Fahrrad zu holen.

Schwarzfahrer2 ist zum Glück immer noch in eine heftige Diskussion mit der Schaffnerin verstrickt. Man einigt sich darauf, dass er in Esslingen versuchen soll eine Karte auf dem Bahnsteig zu kaufen. Die Schaffnerin betont dabei, dass der Zug nicht auf ihn warten werde, gibt sich aber in soweit fair, als dass sie Schwarzfahrer2 die richtige Zielnummer am Automaten verrät. Damit ist diese Diskussion am Ende und alle anwesenden stehen noch etwas im Türbereich bis der Zug entgültig anhält. Die Spannung ist kaum auszuhalten, aber es geht gut. Sie kontrolliert
vor dem nächsten Halt keinen der Anwesenden mehr. Dem Zug entsteigen Scharzfahrer1 (über beide Backen grinsend), Schwarzfahrer2 (rasant) und ich (endlich war die Zugfahrt ihr Geld mal Wert).

One Response to 'Schwarzfahrer'

Subscribe to comments with RSS or TrackBack to 'Schwarzfahrer'.

  1. frank said,

    on March 17th, 2005 at 11:28 pm

    Test123

Leave a Reply


FireStats icon Powered by FireStats